911
Anfang der Neunziger Jahre erschien bei ATL eine neue Generation von Lautsprecherboxen in sehr schmalem Design und mit seitlich angebrachten Baß-Chassis; die sehr schmal gestaltete Front sollte die Schallwandreflexionen reduzieren helfen.
Spitzenmodell der Serie war die 911, die sich von den anderen ATL der Baureihe "S" durch die Verwendung von Hochton- und Tiefton-Chassis nach dem Konstruktionsprinzip von Norbert Schäfer abhebt.
Der Hochtöner ist ein "Linearfeldwandler" genannter Folienhochtöner, der auf dem isodynamischen System basiert, das Schäfer schon für die Phonogen Transfer entwickelt hatte.
Ebenfalls Resultat der Entwicklung, die zur Transfer führte, ist der Flachmembran-Tieftöner, der sich von anderem Bässen durch seinen extrem kurzen Hubweg unterscheidet.
Technische Daten:
Lautsprecherbestückung:
-Tieftonlautsprecher: 210 x 210 mm, Schwingspulendurchmesser 130 mm
-Mitteltonlautsprecher: 2 x 100 mm, Schwingspulendurchmesser 2 x 25 mm
-Hochtonlausprecher: Linearfeldwandler 170 x 40 mm
Übergangsfrequenz 250/4500 Hz (12 dB/Okt)
Frequenzumfang 24-26000 Hz ± 3 dB
Baßeigenresonanz 35 Hz
Nennbelastbarkeit 90 Watt
Musikbelastbarkeit 130 Watt
Empfohlene Verstärkerleistung 60-120 Watt
Nennimpedanz 4 Ohm
Betriebsleistung 88 dB (SPL Watt/1 m)
Abmessungen (ohne Stoffspannrahmen) 14 x 104 x 29.2 cm, Sockel 22 x x 29,5 cm (B x H x T)
Zusätzlich: Anschlußmöglichkeit für Bi-Wiring bzw. Bi-Ampimg.
Linearfeldwandler
Die Membran dieses Hochtöners besteht aus einer extrem dünnen Aluminiumfolie mit fünf richtungsorientierten Leiterbahnen, die vor dem Luftspalt eines sehr starken Magneten hin und her schwingt. Äußerst schnelle Impulse, sowie einzigartige luftige und detailgenaue Hochtonwiedergabe sind das Ergebnis.
Baßgewalt
Der quadratische Tieftöner der 911 besitzt eine Membrane aus Hartschaum, die mit zwei Schichten hochfestem Spezialpapier in Gehäusefarbe beschichtet ist. Diese resonanzfreie Sandwichkonstruktion bewirkt auf Grund ihrer geringen dynamischen Masse zusammen mit der großdimensionierten Schwingspule ein außerordentlich schnelles Ein- und Ausschwingen, das saubere, schnelle und tiefe Bässe zur Folge hat.
(Quelle: Prospekt, Archiv Michael-Otto)
Die Boxen sind, ATL-typisch, gut verarbeitet und besteht aus MDF. Entsprechend der Bauweise der Trans-Reihe verfügt die 911 über eine verschraubte Rückwand, durch die man an das Innere gelangen kann; der Hoch- und Mitteltonbereich ist vom übrigen Gehäuse durch eine Spanplatte abgeteilt. Der Tieftöner verfügt also über eine eigene Kammer, in die das kurze, gerade Bassfelex-Papprohr mündet.
Die Innenverkabelung besteht aus Kupferdraht von 2,5mm Querschnitt, der an der Frequenzweiche verlötet, am Terminal und am Hochtöner verschraubt, an den Mitteltönern und am Bass gesteckt ist. Die Kabel sind eben lang genug, damit Arbeiten den den Bauelementen außerhalb des Gehäuses durchgeführt werden können.
Wie bei den anderen Schäfer-Boxen aus dem ATL-Programm auch, entwickelt die 911 im Laufe ihres Lebens einige Probleme, die konstruktionsbedingt zu sein scheinen:
So zeigen sich, im Verhältnis zu vergleichbaren Bändchen-Höchtönern, nach inzwischen zwanzig Jahren Betrieb, recht viele Linearfeldwandler von ATL-Boxen defekt. Und so entwickeln auch die Membranen der Tieftöner, der Gravitation folgend, eine Fehlstellung, die dazu führt, daß sie beginnen auf Ihrer Einfassung aufzuliegen, und damit Nebengeräusche zu erzeugen.
Die Schäfer-Chassis sind kaum reparabel; die Firma ATL, Hersteller dieser Chassis, gibt es nicht mehr. Die Werte der Vorläufermodelle der Chassis von Phonogen weichen elektrisch ab. Die Nachfolgemodelle von Norbert Schäfer sind ebenfalls nicht kompatibel.