AF-777 Direct Control

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Direct Control

Ende der Siebziger Jahre erschien bei Philips eine Serie Plattenspieler, die eine neue Antriebstechnik einführte. Direct Control sollte die Vorteile Riemen-getriebener mit direkt getriebenen Plattenspielern verbinden.
"Direkt an der Antriebstrommel, d.h. starr mit der Antriebsachse verbunden, befindet sich die Polradscheibe des Tachogenerators. Sie dreht sich in einer feststehenden Weicheisenkalotte, an deren Innenseite ein mit 160 Polen vormagnetisiertes Ferritband angebracht ist. Das permanente Magnetfeld wird durch die sich drehende, 160fach gezahnte Polradscheibe verändert, so daß in der sich darunter befindlichen Spule eine Wechselspannung induziert wird. Diese wird dann in eine Gleichspannung umgewandelt und in einer nachgeschalteten Regelelektronik mit einer extrem stabilen Referenzspannung verglichen. Aus den auftretenden Spannungsunterschieden wird eine Regelspannung abgeleitet, die die Treiberstufe steuert, die ihrerseits den Antriebsmotor speist. Diese elektronische Nachregelung gewährleistet eine konstante Drehzahl auch bei zusätzlichen Belastungen durch Plattenreiniger oder infolge Schwankungen der Netzspannung.
Der Plattenteller wird von einem Gleichspannungsmotor aus über einen Gummiriemen angetrieben. Da dieser Gummiriemen in den Regelkreis einbezogen ist - die Tachokontrolle sitzt ja am Plattenteller, was das eigentlich Neue dieser Antriebsart ist -, kann er die Gleichlaufschwankungen nciht beeinflussen. Der Gummiriemen verhindert aber - und dies ist ja ein Vorteil des Riemenantriebs - die Übertragung von mechanischen Einflüssen des Antriebs auf Tonabnehmer und Tonarm, was sich günstig auf das Rumpelverhalten auswirkt."
(HiFi Stereophonie Testjahrbuch 1978/80)
Dieses Antriebskonzept ist immerhin gut genug, um dem Philips AF-877 Direct Control zu einem Testsieg über einen Thorens TD-115 zu verhelfen.

allgemeine Beschreibung

Der Subchassis-Spieler AF-777 ist ein Vollautomat. Das identische Gerät hat es übrigens auch als Grundig PS-3000 HiFi gegeben. Der AF-677 Direct Control (Grundig PS-2000) wäre ein ansonsten identischer Halbautomat ohne Drehzahl-Feinregulierung. Der größere Halbautomat AF-877 Direct Control unterscheidet sich von dem AF-677 eigentlich nur dadurch, daß in der Regelelektronik ein passives Filter hinter dem Wandler angeordnet ist, beim AF-877 Direct Control ein aktives Filter.

Der Philips bietet zwei Arbeitsgeschwindigkeiten: 33,3 und 45 Umin und verfügt über eine Drehzahl-Feinregulierung (Pitch).
Serienmäßig ist der AF-777 mit einem Philips Tonabnehmer 400/II ausgestattet; alternativ war eine Headshell mit Langlöchern für die universelle Befestigung von 1/2"-Systemen erhältlich. Die eingebaute Headshell garantiert die exakte Befestigungsposition und Ausrichtung für alle Philips Tonabnehmer der 400er Serie, ohne das sie mit Hilfe einer Lehre ausgerichtet werden müssten.

Eine Besonderheit der Serie x77 ist die Einstellung der Auflagekraft. Der Philips verfügt über eine eingebaute Tonarmwaage, mit der die durch das Gegengewicht erzielte Balance des Armes optimal eingestellt werden kann. Ein Stift in der Armraste tastet die eingestellte Auflagekraft ab und überträgt sie auf eine Skala, die sie in 0,25p-Schritten von 0,5 bis 3p anzeigt. Praktischer geht es kaum!
Die Skating-Kompensation (Antiskating) erfolgt auf einer Skala entsprechend der eingestellten Auflagekraft für sphärisch oder elliptisch geschliffene Nadeln.

Der Testeindruck

In einem Test in der HiFi-Stereophonie wird dePlattenspieler "ein im wesentlichen sehr gutes Rumpelverhalten" und "überragende" Gleichlaufwerte bescheinigt. Bremsende Drehmomente, wie sie durch Mitlaufbesen, Naß-abspielen oder Plattengewichte erzeugt werden, würden von der Drehzahl-Regulierung voll kompensiert. Die Hochlaufzeit liege mit 2,2 Sekunden "kurz genug". Vergleicht das einmal mit Thorens! Insgesamt werden den Philips "hervorragende Laufwerkseigenschaften" bescheinigt.
Die Tonarmgeometrie sei zudem optimal. "Der tangentiale Spurfehlerwinkel bleibt unter +2,5/-1,5° im nutzbaren Radiusbereich der Schallplatte." Tonarm und System seien optimal aufeinander abgestimmt. Die Abtasteigenschaften des System 400/II werden am Philips-Tonarm bei 300Hz als "sehr gut", bei 10,8kHz als "gut" bezeichnet.

Technische Daten:

  • Rumpel-Fremdspannungsabstand: 39-42 dB
  • Rumpel-Geräuschspannungsabstand: 66-68 dB
  • Gleichlaufschwankungen: o,o75% linear / 0,05% bewertet nach DIN
  • eff. Tonarmlänge: 215mm
  • Achsenabstand: 197,5mm
  • Überhang: 17,5mm
  • Kröpfungswinkel: 24,5°
  • Tangentialer Spurfehlwinkel: Nulldurchgänge bei 122 und 238mm
  • empfohlene Auflagekraft (400/II): 20nM
  • vertikaler Spurwinkel: 21°
  • Tonarmeigenresonanz: 9Hz
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