Thorn
Firmengeschichte
Thorn, das war der Konzern des Österreichers Jules Thorn (geb. 1899, gest. 12.12.80). Der war 1928 nach England ausgewandert und als studierter Betriebswirt einer der wenigen Unternehmer, der sich nicht aus der Konstrukteurs-Sicht heraus für die Lampen- und Radio-Industrie interessierte, sondern der ausschließlich aus ökonomischer Sichtweise arbeitete.
So begann Thorn auch nicht mit der Herstellung von Produkten, sondern mit Service für elektrisches Licht, sowie dem Import und der Vermietung von Radiogeräten, vergrößerte sein Unterenhmen schon 1932 durch Beteiligungen in der Metallindustrie. 1933 steig er mit Lotus Radio und Atlas Works (Lampen) in die eigene Fertigung ein, kaufte 1936 Ferguson Radio, Anfang der Fünfziger Jahre die Elektronik-Konstruktionsbüros Ecko-Ensign Design und Tricity Cookers. 1961 folgten Philco, Pilot, Ultra Radio & Television, His Masters Voice und Marconiphone, wodurch Thorn, 1964 zum Ritter geschlagen, zum größten Radio- und TV-Geräte-Hersteller im Königreich aufstieg, was er durch die Fusion mit der Leasing-Firma Robinson Radio Rentals ausbauen konnte.
Zum Dekadenwechsel war Thorn der Welt größte TV-Geräte-Vermieter mit über 7,5 Millionen Leasing-Verträgen allein in Großbritannien, baute sein Geschäft zudem auch auf dem Kontinent weiter aus, beispielsweise durch den Kauf der belgischen Fernsehgeräte- und HiFi-Marke Carad.
Parallel dazu baute Sir Jules sein Unternehem auch in anderen Sparten aus: 1967 erfolgten weitere Zukäufe in der Metallindustrie, dazu kamen KMT Holdings (1968), Parkinson Cowan (1971), Clarkson International Tools (1974) und Cleveland Twist Drill (1976).
Ein großer Coup gelang erst, nachdem Jules Thorn, dessen dominantes Auftreten das Geschäft bis dato verhindert gehabt haben sollte, 1979 in den Ruhestand gegangen war. Thorn kaufte für 165 Millionen Pfund die EMI.
Zwar verkaufte Thorn-EMI einige Betriebsfelder der defizitäten Tochter, doch verblieben zu viele miteinander konkurrierende Geschäftsfelder, zudem weitere Zukäufe (British Aerospace, INMOS, Mullard Equipment etc.) das Budget belasteten. Dies führte zu einer Neustrukturierung des Konzern ab 1985, und schließlich in den Neunziger Jahren zur Konzentration auf zwei zentrale Geschäftsfelder: TV-Leasing und Musik, die letztlich in zwei getrennten Unternehmen organisiert wurden.
Auf Empfehlung der Wirtschaftsberater Boston Consulting Group arbeiteten die Tochtergesellschaften im Thorn-Konzern noch Anfang der Siebziger Jahre weitgehend selbstständig, wurden lediglich durch eine zentrale Management-Einheit koordiniert. Für den Rundfunk- und Fernsehbereich war das die British Radio Corporation (BRC), unter der die Rundfunk- und Fernseh-Beteiligungen zusammengefaßt waren. Ihre führende Marke war Ferguson, die jedoch auf dem Kontinent wenig bekannt gewesen war.
Die Krise der Radioindustrie sorgte schon Mitte der Siebziger Jahre für eine Umstrukturierung, die sich einerseits in der Zunahme von Ferguson-Geräten in der Produktpalette der anderen Thorn-Marken ausdrückte, andererseits in der Schließung von Produkitionsstätten, zum Beispiel von Carad in Kuurne um 1974.
Im HiFi-Yearbook von 1976 ist dann auch der Name BRC verschwunden, taucht stattdessen eine Thorn Consumer Electronics als Eigentümer der diversen Marken des Konzerns auf.
In der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre erschienen auch unter der Markenbezeichnung Ferguson plötzlich HiFi-Komponenten japanischer Herkunft [1], die andernorts mit Sanyo (New HiFi-Classics) oder Technics (Audiokarma) in Verbindung gebracht werden.
Nach dem Ende der Radioproduktion verkaufte die Thorn Consumer Electronics die zunächst weiterhin durch Ferguson in England hergestellten Fernsehgeräte unter verschiedenen Markennamen. Zunehmend wurden dann die TV-Geräte mit Unterstützung von Thomson gefertigt, die die Consumer Electronik-Sparte von Thorn in den Achtzigern schließlich übernahm und in ihre Abteilung Grande Public einverleibte, in der auch schon Saba, Nordmende oder Telefunken steckten und die inzwischen nach China (TTE) fusioniert ist.
Die britische TV-Geräteproduktion von Thomson endete 1992.