Transfer

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Inhaltsverzeichnis

Testberichte

Audio 12/1987: Glanzstück - Phonogen Transfer

"Am Lautsprecherhimmel glitzert ein neuer Stern - die billigste Superbox aller Zeiten. "Unsere Transfer basiert auf neuen Erkenntnissen über die Physik der Schallentstehung", begründet Norbert Schäfer, Konstrukteur der Lautsprecherfirma Phonogen, das Konzept seines brandneuen Superlautsprechers "Transfer". Dieser Name steht für eine etwa mannshohe, knapp 40cm breite Säule, deren Front fast ausschließlich von Lautsprechersystemen ganz besonderer Machart bedeckt ist. Ein Pärchen dieser pro Paar 10.000 Mark teuren Boxen bringt es auf insgesamt 0,8 Quadratmeter schallabstrahlende Membranfläche - ein Pärchen traditioneller Dreiwege-Tieftöner mit 26 Zentimeter-Tieftönern dagegen nur auf knapp 0,13 Quadratmeter.
Der hohe Aufwand ist für Schäfer (...) eine Folge der Logik: "Eine punktförmige Schallabstrahlung existiert in der Natur nicht, deshalb ist auch das Ideal der punktförmigen Schallquelle bei Lautsprechern Unsinn." Vielmehr muß, laut Schäfer, insbesondere die Membranfläche für die Wiedergabe tiefer Frequenzen so groß wie mögich sein. Im Idealfall besitzt sie die Abmessungen der abhzustrahlenden Wellenlänge - also elf Meter bei 30 Herz.
Superlautsprecher wie die Infinity IRS, Apogee oder Magneplanar Tympani, die ebenfalls viele Luftmoleküle durch große Membranflächen mit wenig Hub anregen, betrachtet Schäfer als Bestätigung seiner These. Doch solche Giganten kosten viel Geld, und außerdem arbeiten sie ausnahmslos als Dipolstrahler. Beides gefiel dem 42jährigen Tüftler nicht, und er entwickelte deshalb nicht nur ein spezielles Gehäuse, sondern auch völlig neuartige Systeme für seine "Transfer".
Allein die Konstruktion der Tieftöner ist ebenso simpel wie genial. Ihre Membran, die im Gegensatz zu anderen Flachmembranen nur einige Zehntel Millimeter hindundherschwingen müssen, besteht aus einem sehr steifen und leichten, vier Millimeter dicken Kunststoff und ähneln etwas zu üppig geratenen Kacheln. "Nur durch die quadratische Form lassen sich große Flächen auf kleinstem Raum unterbringen" (Schäfer). Für einen homogenen Antrieb sorgen Schwingspulen von zwölf Zentimeter Durchmesser. Alle Chassis arbeiten auf ein geschlossenes Luftvolumen, dessen Überdruck schmale Schlitze auf der Gehäuserückseite abbauen.
Die Wiedergabe des Grundttonbereichs aller Instrumente (150 bis 3.000 Herz) überließ der Konstrukteur acht konventionellen Konus-Systemen.
Für den Hochtonbereich ließ sich Schäfer freilich wieder etwas besonderes einfallen. Er entwickelte einen Zwitter aus Bändchen und Foliensystem. Dabei verlaufen auf einer nur wenige Milligramm schweren Kunststoff-Folie die geätzten Leiterbahnen statt mäanderförmige - wie bei konventionellen Foliensystemen - parallel so nebeneinander, daß der Signalstrom wie bei einem Bändchen gleichzeitig immer nur in einer Richtung fließt. Vorteil: besserer Wirkungsgrad, gleichmäßigerer Antrieb und damit präzisere Impulswiedergabe.
Doch grau ist alle Theorie, allein die Praxis, also der Hörtest, entscheidet über ihre Richtigkeit. Die Ergebnisse dieses Hörtests lassen sich freilich in einer guten und einer schlechten Nachricht zusammenfassen:
Die schlechte zuerst: Die Phonogen "Transfer" ist ein Lautsprecher, den man nur im Sitzen hören kann. Die Hochtonzeile, bestehend aus vier Systemen, bündelt nämlich vertikal sehr stark. Solange man im Sessel sitzt, bemerkt man davon nichts, steht man allerdings vor der Box, sind die Hochtöner akustisch verschwunden. Zusätzliche Hochtöner würden diesen Nachteil verhindern; doch die besitzt erst das Modell "Transline", mit 15.000 Mark pro Paar um die Hälfte teurer als die "Transfer" Doch nun zur guten Nachricht: Die Phonogen setzt neue Klangmaßstäbe - weit über ihre Preisklasse hinaus. Es ist nicht allein ihre abgrundtiefe, fast schon beängstigend wuchtige, dabei ungemein klare und luftige Baßwiedergabe. Auch nicht ihre bei Streichern ungeahnt zarte, bei Schlagzeugbecken phänomenal feinnervige und bei Blechbläsern kraftvoll strahlende Höhenwiedergabe. Das Verblüffendste an der "Transfer" ist, daß sie als Lautsprecher völlig in den Hintergrund tritt, so, wie das nur wenige andere vermögen. Die linke und die rechte Box - jeweils spiegelbildlich konstruiert - bildet quasi die Begrenzung eines riesigen Fensters, durch das man hindurch auf die Musiker blickt. Sänger beispielsweise sind auf eine verblüffende Weise gegenwärtig und besitzen, gute Aufnahmen vorausgesetzt, eine beeindruckende Plastizität. Der Nachteil dieser Eigenschaft: Die Phonogen entlarvt mäßige Aufnahmen schonungslos, macht beispielsweise Abmischfehler oder Mängel bei der Platzierung deutlich hörbar.
Auf der anderen Seite arbeitet dieser Lautsprecher trotz seiner außerordentlich analytischen Fähigkeiten keineswegs überzogen seziermesserscharf. Vielmehr gehört er zu der seltenen Gattung der sehr ehrlichen Boxen. Auffälligste Verfärbung sind der neuen Phonogen fremd. Die Tester attestierten allenfalls eine leichte Wärme in den unteren Mitten, die freilich weder Instrumente noch Stimmen in irgendeiner Art und Weise verfälscht. Allison Moyet ("First Ladies", Titel 2) sang vielmehr um Nuancen mehr aus dem Brustkorb als über die BM 40 von Backes & Müller.
Deutlich waren übrigens bei diesem Titel die Unterschiede zwischen der Akustik des Aufnahmeraums, in dem Madame Moyet sang, und der künstlichen Räumlichkeit der begleitenden Synthesizer zu hören. Noch deutlicher trat dieser Effekt bei den einzelnen Tracks der brandneuen, klanglich perfekt produzierten CD "Thom Rodella Band" (dmp CD-460) (...) auf. Hier schwirrte plötzlich ein Synthesizerflirren punktgenau ortbar zwischen den Boxen, begleitet von einem tiefen Grummeln, das den ganzen Raum zwischen den Lautsprechern ausfüllte.
Ganz anders dagegen Aufnahmen wie etwa die "Jazz at the Pawnshop" (Proprius PROP 7778 CD) (...). Hier brachte die Phonogen echte Live-Atmosphäre rüber - versetzte die Hörer quasi in den kleinen Jazzkeller in Stockholm, wo die Gläser klirren, das Wechselgeld in die Kasse klimpert, während Bengt Hallberg und seine Mannen jazzen, was das Zeug hält. In Ansätzen realistischer können das nur noch ganz wenige Lautsprecher, etwa die Duntech Sovereign oder die BM 40. Auffallend bei dieser Aufnahme, wie selbstverständlich die "Transfer" ein schwierig zu reproduzierendes Instrument wie das Xylophon wiedergab. Die kurzen, mal weicheren, mal härteren Ausschläge trennte sie fein säuberlich vom mehr oder weniger vollmundigen Nachschwingen der Metallplatten. Auch hier begeisterte die Plastizität der räumlichen Wiedergabe und die Fähigkeit, winzige Dynamikunterschiede präzise herauszuarbeiten, aufs neue.
Dich die "Transfer" kann auch - mit gewissen Einschränkungen - enorm hohe Lautstärken reproduzieren. Schlichtweg verblüffend war während des Hörtest, wie klar, trocken und gleichzeitig explosiv sie die mit Verve gespielten Baßgitarre auf der neuen dmp-CD("Thom...", Titel 12) in den Hörraum stellte. Auch massive Paukenschläge ("Le Sacre du printemps") brachten sie nicht aus der Fassung; vielmehr blieben diese bei aller zwerchfellerschütternden Wucht sehr klar differenziert.
Die gewisse Einschränkung gilt ausschließlich für den Hochtonbereich. Beispielsweise bekommen kräftige Blechbläser bei extremen Lautstärken eine leichte Schärfe - ein Effekt, der in Wohnräumen bis 35 Quadratmetern kaum in Erscheinugn tritt. Mit einer Betriebsleistung von 6,3 Watt (für 90dB Schalldruck in einem Meter Entfernung) gehört die "Transfer" zwar nicht gerade zu den Kostverächtern; doch mit Verstärkerleistungen ab etwa 100 Watt pro Kanal läßt sie sich problemlos betreiben. Außerdem stellt der sehr harmlose Impedanzverlauf keine Anforderungen an die Stabilität der Endstufe.
10.000 Mark für ein Paar Boxen ist, absolut gesehen, sicher eine Menge Geld. Doch kein anderer Lautsprecher dieser Preisklasse erreichte bisher mit 88 Klangpunkten eine derart hohe Platzierung in der AUDIO-Bestenliste. Gemessen an ihren exzellenten Klangeigenschaften, muß die "Transfer" geradezu als Sonderangebot gelten."
(Hans-Günther Beer)

Test-Ergebnis:

  • Neutralität: 85 Punkte
  • Präzision: 90 Punkte
  • Luftigkeit: 90 Punkte
  • Lebendigkeit: 85 Punkte
  • Baßfundament: 90 Punkte
  • Gesamtwertung: 88 Punkte
  • Klang: überragend
  • Verarbeitung: sehr gut
  • Wertigkeit: sehr gut
  • Preis: hoch
  • Prädikat: Referenzklasse, 5 Ohren

Audio 3/1990: Säulen-Heilige - Auszüge aus dem Vergleichstest der ATL Transfer mit der Heco Concerto Grosso

"... Die Ur-Version der Transfer vom bayrischen Boxenspezialisten ATL hatte sich unter dem Namen Phonogen im Dezember 1987 in Audio einer äußerst erfolgreichen Eignungsprüfung unterzogen (...)
Viel hat sich bei der Transfer auf den ersten Blick nicht getan. Kunststück - der Entwickler ist derselbe geblieben und steht jetzt bei ATL in Lohn. Chassis und Weiche der schicken Säule unterzog Norbert Schäfer freilich einer einschneidenden Generalüberholung. Ergebnis war eine völlig neuentwickelte Frequenzweiche, die Hochtöner haben jetzt neubeschaltete Leiterbahnen, die Mittelton-Konusse eine inverse Kalotte auf dem Membrantrichter und die Tieftöner neue Sicken aus Kunststoffolie, längere Schwingspulen und einen neuen Magnetaufbau mit engerem Luftspalt. Um die Serienqualität zu verbessern, entschloß sich ATL, sämtliche Chassis im eigenen Haus zu fertigen - nur der Mitteltöner basiert auf einem Industrie-Chassis.
Der Form halber bleib alles beim alten. So läßt Entwickler Norbert Schäfer auch bei der Neuauflage seiner Transfer die Bässe vom Quadrat springen - eine Membranform, die wesentlich besser Schäfers Vorgaben erfüllt, auf vertretbar große Schallwänden möglichst viel Membranfläche unterzubringen als die kreisrunde konventioneller Konus-Chassis.
Der Sinn der Flächenwucherei liegt auf der Hand: Während ein Chassis, um einen bestimmten Schalldruck zu erreichen, seine Membran um beispielsweise einen ganzen Zentimeter vor und zurücktreiben muß, bewegt sich eine achtköpfige Abordnung gerade mal um etwas über einen Millimeter - ein Klacks verglichen mit der schweißtreibenden Tour des Einzelkämpfers, der mit zunehmendem Pegel Gefahr läuft, sein lineares Magnetfeld um die Schwingspule herum zu verlassen, um dann Verzerrungen zu produzieren. Zudem werden die gefürchteten Raumresonanzen (stehende Wellen) weniger stark angeregt, wenn die Luft im Raum an möglichst vielen Punkten unter Druck gesetzt wird. (...)
Schäfer zieht dieses Prinzip nach oben durch. Acht bierdeckelgroße Konustöner stapeln sich in der Transfer für die mittleren Frequenzen, eine Zeile aus vier Folientönern schwingt ab vier Kiloherz aufwärts. Diese huldigen der isodynamischen Bauweise: Auf einer hauchdünnen Kunststoffolie ziehen sich dicht an dicht schmale Leiterbahnen, ein dicker Magnet dahinter bringt das Ganze auf Trab.
Nachteil dieses Massenaufgebots: Durch die Hochstapelei entstehen Auslöschungen zwischen den Chassis. Das führt zu Schallbündelungen in der Senkrechten. Je höher die Frequenz und damit kürzer die Wellenlänge, desto nachhaltiger. Erst noch längere Membranzeilen - etwa wie in der noch teureren ATL Transart - würden mehr zylinderförmige Wellen abstrahlen (Auslöschungen und Verstärkungen verteilen sich über einen größeren Bereich) und so den Abstrahlwinkel vergrößern. (...)
Die (Transfer) erfüllte Klangvorstellungen, zu denen nur weniger Traumboxen in er Lage sind. (...) Die zackigen Paukenschläge im Eingangschor von Bachs Weihnachtsoratorium (DG Archiv 423 232-2) kommen nicht nur mit der richtigen Kontur und dem nötigen Nachdruck, sie scheinen vielmehr ansatzlos wie Silvesterkracher zu detonieren. Oder am Ende des Frequenzspektrums: Die Folienhochtöner der Transfer geben nicht nur über die Größe und Beschaffenheit der Becken auf der Sheffield-CD Créme de la Créme Auskunft, man meint vielmehr zu hören, wie weit innen oder außen der Drummer zuschlägt. Die ATL betont mit exzellenter Hochtonauflösung ohne jeglichen Anflug von Schärfe.
Dabei pflegt die bayrische Diva durchaus Launen: Für Stehempfänge erweist sie sich als schlechter Unterhalter, die Folien-Zeile bündelt ihre Hochtonenergie gezielt auf Sitzhöhe, weiter oben muffelt's. Auch die Stereo-Abbildung ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig (...) muß sich der Transfer-Hörer erst mal kurz zurecht finden wie bei einem expressionistischem Werk - um dann aber klare Formen und eine faszinierende Palette von Klangfarben zu entdecken.
Auf dieser Entdeckungsreise verzeiht man der ATL auch den flauschigen Unterton, mit dem sie Baritone in manchen Stimmlagen umgarnt. (...) Lautsprecher wie die Transfer, die selbst in großorchestralen Tutti-Passagen mit solch einer schon fast spielerischen Leichtigkeit die einzelnen Instrumente ausleuchtet, ohne je steril zu wirken, kann man an einer Hand abzählen. Die Höchstpunktzahl und damit der erste Platz in der Audio-Spitzenklasse sind der Lohn."

Test-Ergebnis:

  • Audiokennzahl: 56
  • Neutralität: 90 Punkte
  • Präzision: 90 Punkte
  • Luftigkeit: 85 Punkte
  • Lebendigkeit: 90 Punkte
  • Baßfundament: 90 Punkte
  • Gesamtwertung: 89 Punkte
  • Klang: sehr gut
  • Verarbeitung: sehr gut
  • Prädikat: Spitzenklasse, 5 Ohren

Technische Daten

Phonogen Transfer (lt. Audio 12/87)

  • Paarpreis: 10.000 DM
  • Maße: 403 x 1745 x 400mm
  • Gewicht: 68kg
  • Tieftöner: 8x Flachmembran 207 x 207mm
  • Mitteltöner: 8x Konus, 80mm Durchmesser
  • Hochtöner: 4x Bändchen
  • Konstruktion: geschlossene 3-Wege Box mit Druckausgleich
  • Übergangsfrequenzen: 150 / 3.000 Herz
  • Belastbarkeit: 300 Watt
  • Betriebsleistung: 6,3 Watt Verstärkerleistung für 90dB Schalldruck in einem Meter Entfernung
  • Impedanz: 6 Ohm

ATL Transfer (ATL-Prospekt "High Performance" 1989)

  • Hersteller: ATL Elektro-Akustik-Vertriebs GmbH, Puchheim
  • Paarpreis: DM 13.500 (lt. Audio 3/1990)
  • Maße: 400 x 1725 x 320 mm (BHT)
  • Gewicht: 73 kg
  • Tieftöner: 8x Flachmembran 210 x 210mm mit 130mm Schwingspule, magn. Induktion 10.000 Gauß
  • Mitteltöner: 9x Konus 100/85mm Durchmesser mit 19mm Schwingspule. Dynam. Treiber mit Makrofol-Flachkalotte. Magn. Induktion 11.500 Gauß
  • Hochtöner: 4x Folie 170x40/150x7mm. Linearfeldwandler mit Alu-Folienmembran. Magnetgewicht 1.000g
  • Prinzip: Line Source-Direktstrahler. Geschlossenes Gehäuse mit Druckausgleichsöffnung. 3Wege-System
  • Übergangsfrequenzen: 150 / 4000 Hz
  • Frequenzbereich: 22 - 33.000 Herz
  • Betriebsspannung: 5 Volt (für 90dB Schalldruck in 1 Meter Entfernung)
  • Belastbarkeit Sinus / Impuls: 250 / 350 Watt
  • Impedanz: 4 Ohm
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