Translife

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Testberichte

Audio 5/1990: Auszug aus Vergleichstest ATL Translife vs. Celeston 7000 und Piega LDR 4.0

"...Kein Jünger der reinen Lehre ist Norbert Schäfer, Erbauer der ATL Translife: Membran und Antriebselement seiner beiden Folienhochtöner sind nicht eins. Aber der erwünschte Effekt kommt dennoch zur Tragen. Über die rechteckige Kunststoffmembran verlaufen dicht an dicht fünf Leiterbahnen und bedecken die Folie fast vollständig. Mit dieser langen Leitung gewinnt der Schwabe Antriebskraft

(...)

Der Hang zur Exotik endet bei der Translife allerdings nicht im Mitteltonbereich. Für den werkeln zwar - als Quartett - konventionelle Konustöner, die allerdings die Luft nicht per Trichter, sondern mit einer inversen Kunststoffhalbkugel als Membran unter Druck setzen.
An postmoderne Badezimmerkacheln erinnern schließlich die Baßchassis der ATL. Eine mit 13 Zentimeter Durchmesser überdimensionale Schwingspule bringt ein rund 20 Zentimeter großes Sandwich-Quadrat mit Hartschaumfüllung auf Touren.
Als Argumente für diese Bauweise in dieser Form führt Schäfer beste Menbranflächeausnutzung auf engstem Raum und hohe Steifigkeit der Flachmembran ins Feld. Gemäß der Doktrin, Fläche ist durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Fläche, rotten sich die Quadranten in der Translife zur musikalischen Viererbande zusammen.

(...)

Dagegen (Anm.: Celeston 7000) wirkte sogar die durch und durch saubere Höhenvorstellung der Translife eine Spur grobkörniger: etwa wie zwei Dias unter der Lupe von einem 100- und einem 400-ASA-Film. Dafür punktete die ATL im Baßbereich, wo (...) der nötige Rumms grollender Kesselpauken (...) auf einem soliden Fundament stand. Die gnadenlose Impulsfestigkeit ihrer großen Schwester Transfer (Audio 3/1990) über den gesamten Frequenzbereich konnte der Benjamin der Trans-Linie freilich nicht nachahmen. mit komplexen Orchesterarrangements in Richtung Live-Lautstärke verlor die Schäfer-Box schon mal den Überblick. (...)
Die tonal ausgeglichenste Box war (...) eindeutig die Translife von ATL, bei der es schwer fällt, klare Schwächen nachzuweisen: Stimmen besaßen Körper und Profil, Trompeten Volumen und Glanz, Violinen Velve und Schmelz - was die 75-Punkte-Wertung in allen Disziplinen manifestiert. Doch ob britischer Charme oder teutonische Aufrichtigkeit - mega-in werden die Bandleader nie sein. Schließlich geht ihnen die richtige Stehparty-Tauglichkeit wegen stark gebündelter Höhen ab. Schade."


Test-Ergebnis:

  • Audio-Kennzahl: 66
  • Neutralität: 75 Punkte
  • Präzision: 75 Punkte
  • Luftigkeit: 75 Punkte
  • Lebendigkeit: 75 Punkte
  • Baßfundament: 75 Punkte
  • Gesamtwertung: 75 Punkte
  • Klang: gut - 75 Punkte
  • Verarbeitung: sehr gut
  • Prädikat: Oberklasse / 4 Ohren

HiFi Exclusiv 2/90: Deutsche Herausforderung - ATL Translife

"Als Vorzeigestücke audiophiler Ingenieurskunst Made in Germany galten in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren die Boxen von Phonogen. Mit der renomierten Firma ATL startet deren Entwickler nun ein überaus bemerkenswertes Comeback. (...)
Und die bietet seit dem letzten Sommer ein breitgestaffeltes Wandler-Programm an: Da gibt es für den "Consumer-Sektor" unter der Bezeichnung "Pro Line" eine Boxenfamilie des Ex-Canton-Chefentwicklers Klaus Dotter sowie als zusätzliches Sahnebonbon für verwöhnte Klang-Gourmets die neue "Trans"-Line von Norbert Schäfer.

(...)

Die besteht aus den Modellen "Translife", "Transfer", "Transart" und dem demnächst erscheinenden Spitzenmodell "Transmaster". Zwischen 4000 und 15.000 Mark pro Box zu Buche schalgend, hat das Quartett zwei Gemeinsamkeiten: Jeder Lautsprecher arbeitet nach dem Dreiwege-Prinzip, und zwar mit unterschiedlich vielen, aber immer baugliechen Chassis. (Anm.: Die Chassis der Phonogen-Versionen sind nicht mit denen der ATL- oder Translife[www.translife.com]-Varianten identisch)
Beginnen wir mit den Tieftönern: Sie besitzen eine quadratische Sandwichmembran aus Spezial-Papier und Hartschaum, die - um die Antriebskraft gleichmäßig auf die 210 mal 210 Millimeter große Folienfläche zu übertragen - von einer CD-großen Schwingspule angetrieben werden.
Vier - im größten Modell gar 16 - dieser zum Patent angemeldeten Wandler arbeiten bei den "Translife" -Lautsprechern
(Anm.: korrigiert) in einer kombinierten Reihen- und Parallel-Schaltung. Jeweils zwei Tieftöner sind dabei immer in Serie geschaltet. Die sich aus dieser Anordnung bildenden Gruppen laufen dann schließlich parallel, um eine verstärkerfreundlich-optimale Impedanz von vier Ohm zu gewährleisten.
Individuell für die neue Linie gefertigt sind auch die Mitteltöner, deren Membran mit einem Durchmesser von zehn Zentimeter aus einer neuartigen, besonders steifen, dabei aber sehr leichten Kunststoffmischung gefertigt werden.
Und auch bei den magnetostatischen Hochtönern handelt es sich um eine Eigenkonstruktion. Dieser ebenfalls zum Patent angemeldete Linearfeld-Wandler sieht zwar wie ein gängiges Hochtonbändchen aus, unterscheidet sich davon aber doch grundsätzlich: Über einem hufeisenförmigen Magneten sind fünf fünfzehn Zentimeter lange Leiterbahnen angebracht, die über eine spezielle Beschaltung gleichförmig in einer Stromrichtung durchflossen werden. Der Vorteil: Die extrem dünne und leichte Folie besitzt die fünffache Fläche eines normalen Bändchens, braucht indes keinen zusätzlich im Signalweg liegenden Übertrager und kann durch die mechanisch feste Verbindung (nicht nur oben und unten, sondern auch seitlich) nicht ins Taumeln gebracht werden.
Durchdacht ist auch die Frequenzweiche: Aufgebaut ist sie durchwegs aus hochwertigen Luftspulen und Folienkondensatoren für den Mittel- und Hochtonbereich sowie einer Batterie bipolarer Elkos für den Baß. Mit dem nötigen Signal versorgt die Weiche die einzelnen Chassis über dicke Kupferstrippen. Womit wir bei der Box als socher angelangt wären. Deren Wände bestehen aus hochverdichteten, 22 Millimeter starken MDF-Platten, die intern mehrfach versteift sind und deren Hohlräume mit Polyesterwatte bedämpft werden. Während die Hochtöner konstruktionsbedingt nach hinten geschlossen arbeiten, besitzen die Mittelton-Chassis ein eigenes Gehäuse. Zur freien Entfaltung der Amplitude der Tieftöner gibt es zwei schmale Druckausgleichsöffnungen für den Baß an der Rückseite.

Kommentar:
Was als erstes ins Auge sticht, ist die hervorragende Verarbeitung der "Translife", die - wie alle anderen Modelle - serienmäßig in Schwarz oder Weiß ausgeliefert wird, gegen Aufpreis aber in jeder gewünschten RAL-Farbe, mit Klavierlack beschichtet oder mit verschiedenen Naturholzfurnieren lieferbar ist. Trotz ihrer nicht gerade bescheidenen Abmessungen wirkt die Säule schlank und elegant. Aber das war nicht der einzige Grund, weshalb wir uns das kleinste Modell aus der Serie herausgepickt haben: Hinzu kam, daß ich diesen Lautsprecher - die große "Transmaster" war zum Testtermin allerdings noch nicht fertig - als in sich am homogensten klingend und für normale Hörräume am besten geeignet empfand.
Erwartungsgemäß gab es dann auch bei der Aufstellung in meinem Abhörraum keinerlei Probleme. Die "Translife" ist äußerst einfach zu handhaben: Einen Meter Abstand zu den hinteren und seitlichen Wänden, plus die Anwinkelung auf den Hörplatz - mehr verlangt sie gar nicht.
Hat man diese allereinfachsten Grundregeln berücksichtigt, dann sollte man der Box nur noch ein bißchen Einspielzeit gönnen. Während der Hersteller von 24 Stunden spricht, waren es beim HiFi-Exclusiv-Test nur zehn Stunden, die die Tieftöner brauchten ums ich "warmzuspielen". Tönten sie anfangs noch etwas hart und eine Spur kantig, so fügten sie sich nach dieser Zeit nicht nur musikalisch "rund" ins Gesamt-Klangbild ein, sondern reichten auch in ihrer Übertragung wesentlich tiefer herab. Womit wir gleich bei dem herausragenden Merkmal der "Translife" angelangt wären: Sie produziert einen Baß, der schier und ergreifend phänomenal ist - pechschwarz, abgrundtief, dabei stets straff und nie vordergründig. Gleich die erste Platte, die ich auflegte, geriet deshalb zu einem Aha-Erlebnis: Den zuerst gestrichenen, dann gezupften Kontrabaß bei "You Look Good To Me" (auf Oscar Petersons "We Get Request") hatte ich noch nie so plastisch gehört.
Von der guten Feinabstimmung des Lautsprechers zeugte dabei gleich noch ein weiteres Detail: Der am Anfang des Stückes geschlagene Triangel, den nicht wenige Boxen matt und blaß abbilden, kam brilliant und mit dem richtigen Metallklang herüber. Nachdem auch die Mitten keinerlei Verfärbung aufweisen und die Räumlichkeit überdurchschnittlich gut ist, hatte ich die Boxen bald vergessen und hörte nur noch Musik, Musik, Musik... Und die reproduziert die "Translife" mit einem ausgesprochenen Live-Charakter auch schon mit kleineren Verstärkern wie dem "Logo" von Michael Conrad hervorragend. Freilich gilt auch bei ihr: Je größer der elektronische Aufwand vor der Box, desto besser ist das Ergebnis, das aus dem Lautsprecher kommt. Lohnend ist auch das Ausprobieren verschiedener Kabel. Bei diesem Thema entschied ich mich im Endeffekt für das Eagle-Cable. Mit ihm konnte die "Translife" all ihre Qualitäten voll ausspielen: Sie klang dynamisch-differenziert, plastisch-räumlich, auch bei niedrigen Abhör.-Lautstärken fein zeichnend, in den Höhen samtig-brilliant, in den Mitten offen und im Baß schier unschlagbar. An Nicht-Flächenstrahlern habe ich schon lange keinen Lautsprecher mehr gehört, der so "anmacht" und dabei ohne Effekthascherei auskommt. Dem schwäbischen Entwickler Norbert Schäfer ist mit seiner "Translife" ein wahres Meisterstück geglückt."
(Manfred Schmidt)

Technische Daten

ATL Translife (lt. ATL-Prospekt "High Performance", 1989)

  • Hersteller: ATL Elektro-Akustik-Vertriebs GmbH, Puchheim
  • Paarpreis: DM 8.000 (lt. Audio 5/1990)
  • Maße: 295 x 1310 x 320 mm (BHT)
  • Gewicht: 43 kg
  • Tieftöner: 4x Flachmembran 210 x 210mm mit 130mm Schwingspule, magn. Induktion 10.000 Gauß
  • Mitteltöner: 4x Konus 100/85mm Durchmesser mit 19mm Schwingspule. Dynam. Treiber mit * Makrofol-Flachkalotte. Magn. Induktion 11.500 Gauß
  • Hochtöner: 2x Folie 170x40/150x7mm. Linearfeldwandler mit Alu-Folienmembran. Magnetgewicht 1.000g
  • Prinzip: Line Source-Direktstrahler. Geschlossenes Gehäuse mit Druckausgleichsöffnung.3Wege-System
  • Übergangsfrequenzen: 200 / 4500 Hz
  • Frequenzbereich: 26 - 30.000 Herz
  • Betriebsspannung: 5,9 Volt (für 90dB Schalldruck in 1 Meter Entfernung)
  • Belastbarkeit Sinus / Impuls: 150 / 210 Watt
  • Impedanz: 4 Ohm

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