Zyrkon

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Wer sich in früheren Zeiten einen Rolls Royce kaufte, der erfuhr auf die Frage nach dessen Leistung lediglich ein „genug“.
Ähnlich schien es Stefan Steiner zu sehen, der sich über die Technischen Daten seiner Kreationen meist ausschwieg und sogar die Bezeichnungen der verwendeten Transistoren abschliff.
Mit der Philosophie, daß letztlich das Klangerlebnis und nicht das Studium von Daten über einen Kauf entscheiden solle, hat er sicherlich nicht unrecht. Zur Folge hat das aber auch, daß zu den Fidelity-Geräten entweder gar keine oder auch widersprüchlich unterschiedliche Angaben kursieren.

Zuverlässige Quellen sind daher oft nur Testberichte:
„Klang-Gourmets, denen Musikhören über alles geht und Komfort nur eitlen Tand bedeutet, bietet der Fidelity mehr als nur irgendeine weitere Alternative. Prädikat: besonders wertvoll.“
So resümiert der Tester Matthias Röde im Test der HiFi Vision (7/1992) seine Meinung zum Fidelity Zyrkon.

Der letzte Vollverstärker aus dem Hause Fidelity kommt dezent daher: Ein lackiertes Vollmetall-Gehäuse mit drei vergoldeten Dreh-Knöpfen und ebenfalls vergoldeten Füßen, dazu ein wenig Beschriftung und eine LED, prägen das Erscheinungsbild.
Vier Hochpegel-Quellen (CD, Tuner, Type, Aux) und ein Plattenspieler (MM) lassen sich anschließen. Einen Aufnahme-Ausgang bietet der Schwabe außerdem. Alle vergoldeten Cinch-Anschlüsse sind fest mit dem Metallgehäuse verbunden. Wackelkontakt-sicher. Für die Lautsprecher stehen zwei Paar Buchsen für Bananenstecker zur Verfügung. Ebenfalls fest mit dem Gehäuse verbunden.

Die Austattung des Zyrkon ist spartanisch: Ein Hauptschalter, der die eine LED zum Leuchten bringt. Ein Lautstärke-Regler und ein Eingangswahl-Schalter. Keine Hinterbandkontrolle. Keine Klangregelung. Erst recht kein Loudness, Rausch- oder Rumpelfilter. Nicht einmal der MM-Eingang ist einstellbar. Dafür „...zeigt das schnurgerade Frequenzdiagramm des Phono-Verstärkers, der damit eine praxisgerechte Eingangskapazität beweist (...) daß die Wiedergabe hoher Töne von MM-Systemen nicht beschnitten wird.“
Nichts soll das erreichbare Qualitätsniveau gefährden. Das Risiko von Übersprechungen zwischen Ein- und Ausgang soll so gering wie möglich gehalten werden: Zwischen Hochpegel-Eingang und Endstufe liegt daher auch nur das Lautstärke-Potentiometer. Eine Schutzschaltung baut Stefan Steiner sowieso nie ein. Zumindest besitzt der Fidelity eine Einschaltverzögerung.

Dementsprechend wirkt das Innere des Zyrkon fast leer, wird von dem kräftigen Ringkerntrafo dominiert. Wer in dessen Angesicht jedoch Höchstleistungen erwartet, der wird enttäuscht: 2x 11 Watt Sinusleistung an 4 Ohm Meßwiederstand bei 0,1% Klirr erreicht der Zyrkon im Test, bevor er zu schwingen beginnt. An 8 Ohm erreicht er immerhin 2x 43 Watt.

Die Anforderungen eines Hörtests erfüllte der puristische Schwabe hingegen bravurös: Er spiele „selbst bei satten Lautstärken locker und mit bemerkenswerter Sauberkeit – von einem Mangel an Kraft oder einem Zuviel an Verzerrungen keine Spur. Ganz im Gegenteil überraschte der Fidelity mit einem sehr straffen, in sich festen und trotzdem luftigen Klangbild. (...) Über dem kräftigen Baß bauten sich die Instrumente dynamisch kontrastreich und fein differenziert auf. (...) Auffällig war, daß der Fidelity über die bloße Reproduktion der Töne hinaus die Stimmungslage der verschiedenen Titel und Genres vermittelte.“

„Spitzenklasse“ lautete das Gesamtergebnis. Auch wenn der Tester einzuschränken wußte, daß der Fidelity für „Krawallbrüder, die sich Hard-Rock in den Kopf prügeln wollen“ nicht gemacht sei.

  • Maße: 420 x 100 x 310 mm (BHT)
  • Neupreis DM 1.900,--
  • Sinusleistung (0,1% Klirr) 2x 11 Watt an 4 Ohm bzw. 2x 43 Watt an 8 Ohm
  • Störabstand (Line / MM): 83 dB / 77 dB

(Quelle: HiFi Vision 7/1992)

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